Geländespiele – Grundlegendes und Irrtümer

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Im Wald herumrennen, sich gegenseitig umwerfen und zum Schluss den verlorenen Schatz aus der Wiese ausgraben. Actiongeladene Spiele sind auf Zeltlagern und Freizeiten stets gewünscht und immer ein großes Highlight.

Doch es gibt einige Dinge, die ihr beachten solltet, um den Kindern das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Aus Fehlern lernt man ja bekanntlich – und das taten wir auch.

Brauch ein Geländespiel eine Story oder ist das nur sinnlose Hintergrundgeschichte?

Anfangs versuchten wir noch, jedem Geländespiel eine Hintergrundgeschichte zu geben und diese dann auch während des Spieles weiter zu entwickeln. Sei es die Gefangennahme einer Piratenbraut, die schließlich verschleppt wird und befreit werden muss oder die Zerstörung eines Raumschiffs im Weltall. Passte ein Spielelement nicht in die Geschichte, wurde es gestrichen oder passend abgeändert.

Doch nach mehrmaligem Feedback erkannten wir, dass es den Kindern völlig gleichgültig war, wie die Geschichte verläuft oder ob sie einen Sinn ergibt. Wichtig war nur das Spielerlebnis – der Hintergrund war zwar schön und gut, verwirrte aber meist.

Ein Beispiel: Wir erklärten den Kindern, sie sollen Mondgestein (Metallscheiben) von den zwei vorhandenen Monden (als Bild aufgehängt im Wald) zum Raumschiff (abgestecktes Gebiet) bringen ohne dabei von den Weltraumpiraten abgeschossen (gefangen) zu werden.

Nach sehr vielen Fragen, wer denn Weltraumpiraten seien und welche Steine man jetzt aus dem Wald holen müsse, versuchte ein älterer Teilnehmer es den jüngeren zu erklären. „Wir rennen in den Wald, holen die Unterlegscheiben und dann zurück zur Basis ohne gefangen zu werden.“

Wir konnten es kaum glauben – es kamen Beschwerden, warum wir das nicht einfach so unkompliziert sagen können, das würde vollkommen reichen. Viel wichtiger sei es, dass das Spiel Spaß mache.

Daher: Achtet nicht so viel auf das Drumherum, sondern setzt euch intensiv mit dem Spielerlebnis auseinander.

Flexibel und objektiv sein

Es klappt nie alles so, wie man es sich vorstellt. Menschen und vor allem Kinder sind und reagieren so unterschiedlich, dass man gar nicht alle Möglichkeiten vorhersehen kann. Deshalb ich es wichtig, den Spielverlauf von außen zu beobachten um gegebenenfalls einzugreifen zu können und Regeln abzuändern.

Ein Beispiel: Die Kinder sollten in der Gruppe einen Mitarbeiter auf einer Bierbank eine bestimmte Strecke tragen. Der Mitarbeiter verteilte schließlich eine Belohnung – er schrieb sich eine Liste mit Zeiten auf, bei welchen er wie viele Goldstücke aushändigen würde. Das klappte auch ganz gut, bis eine Gruppe mit kleineren Kindern bei ihm ankam und bis zur Erschöpfung alles gab um ihn hinüberzutragen. Da sie aber nicht mehr in den Zeiten lag, gab der Mitarbeiter keine Goldstücke heraus.

Ein großer Fehler, denn unbelohnte Anstrengung führt stets zu Frust und dafür ist ein Geländespiel natürlich nicht gedacht. Richtiger wäre es hier, die Anstrengung zu belohnen und nicht die Zeiten. Dies erfordert allerdings eine objektive Wertung des Mitarbeiters.

Daher: Es ist keine Schande, wenn ihr das Spiel während es läuft abändert, sondern ihr beugt damit Frust vor.

Im Hintergrund alles kontrollieren

Ein Geländespiel ist nur in den seltensten Fällen fair. Bei Gruppenspielen kristallisiert sich meist bereits nach kurzer Zeit eine starke und eine schwache Gruppe heraus.

Um das Ganze ein wenig in die richtige Richtung zu lenken, beobachten wir mehrere Faktoren von außen:

  • Wie schnell kommen die Gruppen voran?
  • Was hält sie auf und bremst sie?
  • Warum ist die eine Gruppe besser als die andere?

Dann gilt es, darauf zu reagieren – sei es auch objektiv betrachtet unfair. Eine Gruppe, die gerade mitten in einem Spiel steckt, sieht meist nur sich selber und achtet wenig auf andere Dinge.

Ein Beispiel: Die Kinder sollten an verschiedenen Stationen Geld erspielen, damit von den Mitarbeitern ungefangen zur Basis rennen und sich dort Gegenstände kaufen. Schnell merkten wir, welches die stärkste Gruppe war und reagierten folgendermaßen. Den Stationsleitern wurde gesagt, sie sollen die Spiele für diese Gruppe schwerer gestalten und sie auch durch Reden länger aufhalten. Die Fänger bekamen die Anweisung, verstärkt dieser Gruppe aufzulauern. Die Gegenstände wurden für die eine Gruppe teurer gemacht – letztendlich merkte davon keiner etwas. Bei der schwächsten Gruppe kamen die entgegengesetzten Maßnahmen zum Einsatz. Die stärkste Gruppe gewann zwar, allerdings nur mit einem kleinen Abstand, die schwächste lag am Ende ebenfalls nur knapp zurück.

Daher: Wenn ihr den Spielverlauf im Hintergrund beobachtet und beeinflusst ist das zwar objektiv gesehen unfair, aber ihr senkt damit den Frustfaktor der schwächeren Gruppen.

Alles aufschreiben und festhalten

Davor und danach solltet ihr alles, was mit dem Geländespiel zu tun hat, mitschreiben. Benötigtes Material, Erklärungen, Spielablauf, Fehler und vor allem das Feedback. Nach einigen Jahren könnt ihr das Spiel ja vielleicht wieder verwenden und müsst nicht alles komplett neu gestalten.

Natürlich könnt ihr eure Spiele auch gerne an uns schicken um sie im Internet auch anderen Zeltlager- und Freizeitgruppen zur Verfügung zu stellen – dafür sind wir stets dankbar. Dazu einfach unter Kontakt eine Nachricht hinterlassen.

Daher: Das Spielkonzept auf Papier oder am Computer mitschreiben, denn ihr wisst nie, wann ihr das Spiel vielleicht wieder gebrauchen könnt.

Hinterfragen und Feedback sammeln

„Wie fandest du das Spiel?“ – „Gut“ , ist meist eine ebenso bedeutsame Aussage wie „Ketschup oder Mayo?“ – „Egal“. Sucht euch bestimmte Kinder aus unterschiedlichen Gruppen heraus und fragt sie direkt nach dem Spiel, was gut war und was nicht. Auch Kinder merken es, wenn ihr sie in die Spielgestaltung mit einbezieht und ihre Ideen verwendet.

Daher: Ein ehrliches Feedback zu erlangen ist nicht einfach, der Ehrgeiz wird aber mit Erkenntnis belohnt.

Fehlt euch hier etwas wichtiges, was man unbedingt beachten sollte oder seid ihr mit einem der Punkte nicht einverstanden? Schreibt doch einfach einen Kommentar.

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